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Der Einfluss der Verluste durch Anlagenstillstände wird in der Kennzahl Verfügbarkeit (NG) erfasst. Sie sorgt zum Teil für starke Verwirrung und Diskrepanz, weil es zum Einen verschiedene Bezeichnungen der Zeiten gibt und zum Anderen unterschiedliche Auffassungen existieren, welche Zeiten für die Berechnung eine Rolle spielen.

Hier werden im folgendem vier verschiedene Möglichkeiten zur Berechnung der Verfügbarkeit betrachtet.

 


 

1. Verfügbarkeit mit Berücksichtigung von ungeplanten Störungen

 

TN  Nutzungszeit in [Minuten]
  Tungeplant   ungeplante Störungen in [Minuten]
TNB  Nettobetriebszeit in [Minuten]
*  Pfeil in  Übersicht Zeiten

Nur die wirklich ungeplanten Störungen werden ausgewiesen. Dadurch kann der OEE-Wert nicht verfälscht werden.

 


 

  2. Verfügbarkeit mit Berücksichtigung von ungeplanten Störungen und Rüstvorgängen

 

TN  Nutzungszeit in [Minuten]
 Tungeplant   ungeplante Störungen in [Minuten]
TRüst  Rüstvorgänge in [Minuten]
TB  Betriebszeit in [Minuten]
*  Pfeil in  Übersicht Zeiten

Ungeplanten Störungen und Rüstvorgänge mindern bei dieser Berechnung die Verfügbarkeit. Die Rüstvorgänge sind zwar geplante Störungen, doch steckt in ihnen viel Verbesserungspotenzial, weswegen sie in die Berechnung integriert wurde.

Verkürzung der Rüstzeiten und weniger Rüstvorgänge führen zu einer Steigerung der Verfügbarkeit. Hierdurch entsteht schnell die Motivation, größere Losgrößen zu produzieren, was den Grundsätzen der Lean Production entgegensteht.

Außerdem werden der Aufwand und die Dauer der geplanten Unterbrechungen nicht berücksichtigt. So können zwar ungeplante Störungen durch sehr häufige und aufwändige präventive Instandhaltungsmaßnahmen minimiert werden, dies geht aber zu Lasten der Betriebszeit TB und somit verbleibt weniger Zeit, um Teile zu produzieren. Hierdurch werden falsche Anreize gesetzt, um die Gesamtanlageneffektivität zu verbessern.

 


 

3. Verfügbarkeit mit Berücksichtigung von ungeplanten Störungen, Rüstvorgängen und geplante Unterbrechungen


 

TN  Nutzungszeit in [Minuten]
 Tungeplant  ungeplante Störungen in [Minuten]
TRüst  Rüstvorgänge in [Minuten]
Tgeplant  geplante Unterbrechungen in [Minuten]
TL  Laufzeit in [Minuten]
*  Pfeil in  Übersicht Zeiten

Hier gehen nicht nur die ungeplanten Störungen und die Rüstvorgänge, sondern auch die geplanten Unterbrechungen in die Berechnung der Verfügbarkeit ein.

Lange Reinigungszeiten und präventive Instandhaltungsmaßnahmen würden nun die Verfügbarkeit reduzieren. So werden unter anderem Handlungen wie zum Beispiel der Einsatz von Springern zur Pausenüberbrückung gefördert.

Nachteil dieser Variante ist, dass die Verfügbarkeit und damit die OEE dem Betrachter falsche Tatsachen vorspiegeln. Eine geringe Verfügbarkeit an einer Maschine lässt auf viele ungeplante Störungen schließen, wobei eventuell gerade geplante Unterbrechungen wie eine Besprechung oder eine Schulung der Grund für einen Anlagenstopp waren. Somit lassen sich alleine aus der Kennzahl keine vermeidbaren Verluste erschließen. Das genaue Zustandekommen der Verfügbarkeit muss dann erst näher betrachtet werden.

 


 

4. Verfügbarkeit mit Berücksichtigung von ungeplanten Störungen, Rüstvorgängen, geplante Unterbrechungen und keine Produktion vorgesehen

 

TN  Nutzungszeit in [Minuten]
 Tungeplant  ungeplante Störungen in [Minuten]
TRüst  Rüstvorgänge in [Minuten]
Tgeplant  geplante Unterbrechungen in [Minuten]
TVor  keine Produktion vorgesehen in [Minuten]
TG  Gesamtverfügbarkeit in [Minuten]
*  Pfeil in  Übersicht Zeiten

Berechnet man die Verfügbarkeit auf diese Weise so erhält man einen OEE-Wert, der die tatsächliche Produktivität der Anlagen widerspiegelt.

Diesen Wert ist allerdings stark von den Kundenbedarfen abhängig. Läuft die Anlage 21-schichtig (=7 Tage * 3 Schichten pro Tag) in der Woche, so erhöht sich auch die Kennzahl dementsprechend.

Deswegen eignet sich der Wert nicht um Verbesserungen an der Anlage durchzuführen, sondern gibt Aufschlüsse bei der Entscheidung, ob eine neue Maschine beschafft werden soll oder nicht.